"Roman von Helga Schmitt-Federkeil -   Philosophischer Exkurs in die Welt des Alltäglichen"

„Lila Kuh mit Ringelsöckchen“

Sprichwörter„Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz, der sich auf lange Erfahrung gründet.“ – Miguel de Cervantes

Es ist schon eine lustige Sache mit den Sprichwörtern: Fast jeder von uns benutzt sie regelmäßig und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, doch nur die wenigsten machen sich Gedanken über die teilweise abstrusen Redewendungen. Da ist etwas nicht „das Gelbe vom Ei“ oder man findet heraus, wo der „Hund begraben liegt“. Historisch betrachtet gibt es Sprichwörter bereits seit dem 12. Jahrhundert, im Mittelalter gehörten sie bereits zum alltäglichen Sprachgebrauch. LLL bringt heute ein wenig Klarheit in einige bekannte Sprichwörter, so dass Sie bei der nächsten Gelegenheit mit Ihrem Hintergrundwissen glänzen können!

Mit dem Klammerbeutel gepudert

„Dich hat man wohl mit dem Klammerbeutel gepudert!“ sagt so viel aus wie „Du bist doch nicht mehr bei Verstand!“. Dieses Sprichwort kam erst im 20. Jahrhundert auf. Der Ursprung liegt in der Vorstellung, dass sich jemand statt wie üblich mit der weichen Puderquaste mit einem mit Wäscheklammern gefüllten Beutel „gepudert“ hat. Durch die Schläge auf den Kopf könnte ein geistiger Defekt entstanden sein, der zum Verlust des Verstandes geführt hat.

Ziehen wie Hechtsuppe

Zu 100 Prozent ist die Herkunft dieses beliebten Sprichwortes nicht geklärt. „Hier zieht´s wie Hechtsuppe“ bezeichnet starke Zugluft. Am wahrscheinlichsten ist der Ursprung im Jiddischen, das eine früher des Öfteren gebrauchte Variante des Deutschen mit hebräischen und osteuropäischen Einflüssen war. „Hech soppa“ bedeutete damals so viel wie „Ein Sturm“, mit der Zeit wurde daraus vermutlich das deutsche Wort „Hechtsuppe“.

Seine Pappenheimer kennen

Dieser Ausspruch wird verwendet, wenn man jemand sehr gut kennt und genau weiß, was von ihm zu erwarten ist. Erstmals verwendet wurde der Ausdruck in Schillers Werk „Wallenstein“, in dem der Protagonist sagt: „Daran erkenn´ ich meine Pappenheimer.“ Gemeint war damit das Regiment, das dem Grafen zu Pappenheim befehligt war. Diesen gab es wirklich; er wirkte im Dreißigjährigen Krieg und galt als besonders mutig und treu. Heute häufig mit einem abwertenden Unterton ausgesprochen, hatte der Ausdruck „Pappenheimer“ früher einen positiven Hintergrund.

Sich freuen wie ein Schneekönig

… sagt man, wenn man sich über etwas ganz besonders freut. Wir verdanken dieses Sprichwort dem kleinen Singvogel Zaunkönig, der uns auch im tiefsten Winter munter mit seinem Lied erfreut und deshalb den Beinamen Schneekönig trägt. Da in dieser sonst häufig tristen Jahreszeit nur wenige Singvögel in Europa bleiben, braucht es nicht viel Fantasie, den seltenen Gesang des Zaunkönigs als Freudengesang zu interpretieren, der uns fröhlich stimmt.

Bleiben, wo der Pfeffer wächst

Hier haben wir es mit einer älteren Redensart zu tun, die sich im 16. Jahrhundert etablierte. Damals galt Pfeffer noch als exotisches Gewürz, das schwer zu beschaffen war und sehr lange Transportwege hinter sich bringen musste. Der größte Teil wurde aus Indien importiert, einem Land, das für damalige Verhältnisse so gut wie unerreichbar und damit perfekt für Menschen geeignet war, die man nicht ausstehen konnte und sich weit entfernt wünschte.

Foto: Manfred Schimmel/pixelio.de