"Roman von Helga Schmitt-Federkeil -   Philosophischer Exkurs in die Welt des Alltäglichen"

„Lila Kuh mit Ringelsöckchen“

Das Alleinstellungsmerkmal der Museen, Teil 2

Warum ins Museum?Freizeitpädagogen heutiger Tage haben durch empirische Untersuchungen bestätigt, dass erlebnisorientiertes Lernen, das heißt Lernen, das mit Emotionen verbunden ist, immer erfolgreicher verläuft als rein kognitive Wissensaneignung. Nun ist aber ein solches Lernen kein Privileg der Museen. Das „Erlebnis“ hat eine geradezu inflationäre Ausbreitung in der modernen Unterhaltungs- und Freizeitgesellschaft erlangt. Freizeitparks, Open-Air-Veranstaltungen, Science Center: Überall locken kleine und große Events.

Die Museen antworten nicht nur mit Ausstellungen der Blockbuster-Art (nicht jedes Museum kann sich so etwas leisten), sondern vor allem mit einer Erweiterung ihres Methodenspektrums. Die lange Nacht der Museen, Kindergeburtstage oder Angebote für Singles gehören genauso dazu wie besondere Tafelfreuden in unmittelbarer Nähe zu nicht minder geschätzter Museumskunst und –kultur. Das Spektrum der museumspädagogischen Angebote ist mit der Eventkultur beträchtlich erweitert worden. „Erlebnis“ hat allerdings nicht nur mit Event zu tun. Und die Frage bleibt: Was ist das eigentliche Erlebnis im Museum? Was kann ich hier erleben und sinnlich erfahren, was ich nirgendwo anders bekommen kann? Damit sind wir beim Alleinstellungsmerkmal der Museen, das heißt bei ihren Sammlungen, den „oft historisch gewachsenen Beständen“ (Michael Eissenhauer): Das Museum ist die Institution, die sich der Sammlung und Sicherung des materiellen und immateriellen Kulturerbes widmet.

Doch was macht die Qualität der Begegnung mit Museumsobjekten aus? Michael Parmentier, Pädagogikprofessor an der Humboldt-Universität in Berlin, hat 2001 einen Aufsatz über den „Bildungswert der Dinge“ publiziert und mit dem Untertitel „Oder: Die Chancen des Museums“ versehen. Darin verweist er auf die Vitualisierung unseres Alltags, bezeichnet aber zugleich die „aktuelle Aufgeregtheit“ über das „Verschwinden der Dinge“ als unberechtigt. Die Dinge des täglichen Lebens würden nicht verdrängt von den virtuellen Zeichen und Symbolen – und seien auch nicht deren Gegenstücke: Dinge seien vielmehr selbst Zeichenträger oder „Semiophoren“, das heißt Mittler zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Foto: Städel Museum Frankfurt